Ambitionierte Biodiversitätspolitik von der künftigen Bundesregierung gefordert

Der Appell des DBUdigital Hauptstadt-Impulses richtete sich an alle politischen Parteien, die sich am Sonntag zur Bundestagswahl stellen

Wirtschaftliche Aktivitäten sind hochgradig abhängig von einer vielfältigen Natur und intakten Ökosystemen. Hierin waren sich alle Expert:innen einig, die heute beim "Hauptstadt-Impuls", einer von mehreren Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien gemeinsam durchgeführten Online-Veranstaltung, zu einer ambitionierten Biodiversitätspolitik in der kommenden Legislaturperiode aufriefen.

Die Beteiligten richteten ihren Appell an alle politischen Parteien, die sich am Sonntag zur Bundestagswahl stellen. Die Kernbotschaft: Ohne intakte Natur werden wir unseren Wohlstand nicht halten können, weil wir essenzielle Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen verlieren

„Das Bewahren von Biodiversität und der Erhalt von Ökosystemen sind unverzichtbar für die Existenz der Menschen“, erinnerte Gastgeber Alexander Bonde, Generalsekretär der DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt, in seinem Eingangsstatement.

„55 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes sind abhängig von Leistungen der Natur“, zitierte Dr. Stefanie Eichiner, Vorstandsvorsitzende von Biodiversity in Good Company aus einer globalen Risikoanalyse von PwC. „Das entspricht einem Geldwert von nahezu 58.000 Milliarden US-Dollar.“

„Die Biodiversitätskrise ist deshalb nicht nur ein Problem für naturbezogene Branchen wie die Holz-Industrie“, bekräftigte Stefanie Eichiner, die in der internationalen Pfleiderer Group den Unternehmensbereich Nachhaltigkeit leitet. „Ein weiter grassierender Klimawandel und die dramatischen Verluste an biologischer Vielfalt bedrohen den wirtschaftlichen Wohlstand unseres Landes insgesamt“, fasste die BiGC-Vorsitzende zusammen. Passend dazu listet das Weltwirtschaftsforum in seinem aktuellen „Global Risks Report 2025“ extreme Wettereignisse, den Verlust biologischer Vielfalt und die Zerstörung von Ökosystemen als die drei schwerwiegendsten Risiken für die Wirtschaft im nächsten Jahrzehnt.

„Als Wissenschaftlerin kann ich Ihnen sagen: Schutz und Wiederherstellung von Natur sind effektiv und verhindern größere Schäden und höhere Kosten bereits heute, aber erst recht in der Zukunft“, ergänzt Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese vom Helmholtz Centre for Environmental Research (UFZ). „Die Biodiversitätskrise ist also kein Problem ‚der Anderen‘ und kein Problem, das Aufschub verträgt.“

„Gesundheit beginnt mit der Luft, die wir atmen, dem Wasser zum Trinken, Pflanzen zum Essen, erträglichen Temperaturen und einem friedlichen Miteinander. Alle diese fünf Lebensgrundlagen sind akut in Gefahr, und nichts davon wird von alleine besser“, betonte Dr. med. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Wissenschaftsjournalist und Gründer der Stiftung Gesunde Erde - Gesunde Menschen.

In der nächsten Legislaturperiode darf das politische Engagement für eine Trendumkehr des dramatisch fortschreitenden Verlusts an Natur und Biodiversitätnicht nachlassen. Es muss sich im Gegenteil noch verstärken. In dieser Forderung waren sich die Veranstalter des Hauptstadt-Impulses einig. Ambitionierte Biodiversitätspolitik dürfe in einer künftigen Bundesregierung kein Nischenfeld für das Umweltressort sein – wie beim Klimaschutz müsse sie zur gemeinsamen Verantwortung aller Regierungsressorts werden.

Der DBUdigital Hauptstadt-Impuls ist eine Veranstaltung der DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Kooperation mit dem Helmholtz Centre for Environmental Research (UFZ), Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, der Stiftung Gesunde Erde - Gesunde Menschen, Biodiversity in Good Company und dem Museum für Naturkunde Berlin.