Business and Biodiversity: Biodiversitätsindikatoren

Biodiversitätsindikatoren

Arbeitskreis "Managementindikatoren für Biodiversität"

Anfang 2013 hat 'Biodiversity in Good Company‘ Initiative einen gemeinsamen Arbeitskreis „Managementindikatoren für Biodiversität“ mit econsense – Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft gegründet. Anlass für die Zusammenarbeit war "Unternehmen Biologische Vielfalt 2020". Der Arbeitskreis ist ein Beitrag zur Aktionsplattform.

Die Integration von Biodiversität sowie des Bezugs unternehmerischer Tätigkeiten zu Ökosystemleistungen in das unternehmerische Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsmanagement ist überaus anspruchsvoll. Der Wunsch und Ruf nach belastbaren, praktikablen Steuerungsgrößen und Leistungskennzahlen wird lauter. 'Biodiversity in Good Company‘ Initiative und econsense sind zwei Unternehmensnetzwerke, die sich mit diesen Fragen befassen. Sie haben den gemeinsamen Arbeitskreis ins Leben gerufen, um Knowhow, Kompetenzen und Kräfte zu bündeln. So wollen sie einen Beitrag aus der praktischen Erfahrung und Perspektive von Unternehmen heraus leisten. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche prinzipiellen Ansätze praktikabel sind und Aussicht auf erfolgreiche Umsetzung haben.

Der Auftakt der gemeinsamen Arbeit wurde im Juli 2013 festgehalten.

Stand der Arbeiten

Siehe eine Übersicht des Arbeitsprozesses in der rechten Spalte.

Messen und steuern – das ist die große Herausforderung beim Thema Biodiversität im unternehmerischen Management. Ist es möglich, belastbare, aussagekräftige und praktikable branchenübergreifende Indikatoren zu entwickeln? In seiner bisherigen Arbeit hat der Arbeitskreis dies nicht abschließend beantwortet, konnte jedoch das Verständnis des Themas deutlich vertiefen und herausarbeiten, wo die Prioritäten liegen. Dabei hat er sich an den Hauptursachen des Biodiversitätsverlustes orientiert, weil Indikatoren sinnvollerweise auf diese Bezug nehmen bzw. aus ihnen abgeleitet werden:

  1. Umweltverschmutzung (Emissionen/Immissionen)
  2. Klimawandel 
  3. Übernutzung natürlicher Ressourcen
  4. Zerstörung/Veränderung von Lebensräumen 
  5. Ausbreitung invasiver nicht heimischer Arten


Entscheidende Grundvoraussetzung ist immer, dass Unternehmen in einer sogenannten Materialitätsanalyse herausfinden, wo ihre wesentlichen Einflüsse und Stellschrauben liegen – erst dann lassen sich mögliche Indikatoren überhaupt sinnvoll nutzen.

Herausforderungen aus branchenübergreifender Perspektive

Der Arbeitskreis hat sich mit den Herausforderungen befasst, die die Entwicklung branchenübergreifender Managementindikatoren für Biodiversität mit sich bringt. Diese lassen sich ohne Anspruch auf Vollständigkeit wie folgt zusammenfassen:

  1. Neues Thema: Die gezielte Integration von Biodiversität (und/oder Ökosystemleistungen) als Teil des Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements steht in den meisten Branchen bzw. der überwiegenden Zahl an Unternehmen noch am Anfang, ist kein Thema oder ein Nischenthema. Die Bezüge sind oft nur unzureichend analysiert und verstanden.
  2. Vielzahl von Umwelteinflüssen: Es gibt ein kompliziertes Gefüge von Umwelteinflüssen, die sich mittelbar oder unmittelbar auf die Biodiversität auswirken. Konkrete Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge lassen sich mehr oder weniger klar darstellen. Für ein systematisches Management müssen die Querbezüge zu etablierten Themen des Umweltmanagements verstanden werden.
  3. Große Branchenunterschiede in der Handlungsmotivation: Unternehmen und Branchen haben sehr unterschiedliche Bezüge sowohl zu den Hauptursachen als auch zu den Folgen des Biodiversitätsverlustes. Je nach Geschäftsmodell unterscheiden sich die wesentlichen Aspekte stark und es ergeben sich ganz eigene Perspektiven, Interessenlagen und Ansatzpunkte für ein Management.
  4. Große Branchenunterschiede bei den Handlungsmöglichkeiten: Die Möglichkeiten von Unternehmen, ihren Einfluss auf die Biodiversität zu bemessen und geltend zu machen, variieren stark.
  5. Hemmnisse für kohärentes Handeln durch Wissenslücken und Zielkonflikte: Wissens- und Forschungslücken sowie Zielkonflikte erschweren eine Kohärenz der Gestaltung politischer Rahmenbedingungen und beeinflussen auch die unternehmerische Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Beim Thema Biodiversität wirkt sich dies besonders aus, weil komplexe Entscheidungs- und Managementprozesse auf schon in sich komplexe naturwissenschaftliche Zusammenhänge stoßen.
  6. Mangelnde Messbarkeit und wenig Standardisierung:  Die mangelnde Messbarkeit von Biodiversität ist ein großer Hemmschuh. In Umweltmanagementsystemen und im Reporting gibt es noch wenig Standardisierung. Einflussreiche Organisationen, die in ihrem Wirkungsbereich Themen prägen und Standards setzen, tun sich konzeptionell schwer, Biodiversität als Thema zu integrieren, zu operationalisieren sowie die entsprechenden Querbezüge zu anderen Umweltaspekten herzustellen.
  7. Methodenfragen bei Indikatoren: Hinsichtlich der Bildung von Indikatoren oder gar Kennzahlen ist die Diskussion oft noch unscharf. Es gibt sehr verschiedene Klassen von absoluten und relativen Indikatoren, deren Praktikabilität (Datenverfügbarkeit, Aufwand) und Aussagekraft variieren.
  8. Perspektiven Biodiversität – Ökosystemleitungen – Naturkapital: Das Thema Biodiversität ist eng mit Ökosystemleistungs- und Naturkapitalansätzen verschränkt. Es gibt großen Klärungsbedarf zu den Zusammenhängen und der Frage, was im Fokus unternehmerischen Managements stehen sollte. Zunehmend wird thematisiert, wie Unternehmen ihre individuelle Abhängigkeit von Biodiversität und Ökosystemleistungen in ihren Managementsystemen erfassen sollten.
  9. Wenig Rezeption bestehender Informationen: Es gibt bereits trotz mangelnden „Mainstreamings“ und vieler Wissenslücken eine Vielzahl an Informationen und Instrumenten sowie auch Indikatoren für Unternehmen, doch nur eine kleine Minderheit nutzt sie offenbar. 

Mögliche Schlussfolgerungen für die Entwicklung von Indikatoren

Der Arbeitskreis hat sich im Anschluss mit Schlussfolgerungen befasst, die sich aus diesen Herausforderungen ergeben: 

  • Managementindikatoren eigens für Biodiversität sind grundsätzlich sinnvoll: Fragen des Managements von Biodiversität, Ökosystemleistungen und Inwertsetzung von Naturkapital sind eng miteinander verwoben und die Diskussionen beeinflussen sich gegenseitig. Aus der Perspektive klassischer Umweltmanagementsysteme heraus ist die Weiterentwicklung von Indikatoren für das Biodiversitätsmanagement jedoch unabhängig von den anderen Debatten sinnvoll. 
  • Es bedarf jenseits der Frage nach Indikatoren einer Vertiefung des Themenverständnisses insgesamt: Biodiversität ist in der Breite kein etabliertes Thema unternehmerischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagements. Ein Beitrag zu Indikatoren geht sinnvollerweise einher mit einem Beitrag zum allgemeinen Verständnis zur Bedeutung von Biodiversität für die Unternehmensverantwortung.
  • Praktikabilität und Breitenwirksamkeit sind entscheidend: Wir starten von einem niedrigen Anwendungsgrad von Indikatoren, dem man Rechnung tragen muss. In Anerkennung der Ausgangssituation sollten Vorschläge für Indikatoren Praktikabilität und Breitenwirkung besonders im Auge haben. Die sinnvolle Nutzung von Indikatoren setzt Kontinuität und langfristiges Interesse sowie Verfügbarkeit von Ressourcen voraus.
  • Ein branchenübergreifender Indikatorenansatz sollte stark fokussiert sein und kann so Anschlussfähigkeit sichern: Eine effektivere Ansprache von Unternehmen und eine Bildung von Steuerungsgrößen/Indikatoren lässt sich sowohl branchenspezifisch als auch -übergreifend erreichen. Im Hinblick auf branchenübergreifende Management- und Reporting-Instrumente sichert eine kleine Zahl an Indikatoren die Anschlussfähigkeit. Ein branchenübergreifender Ansatz ersetzt nicht die vertiefte Befassung in einzelnen Branchen.
  • Für Materialitätsanalysen brauchen Unternehmen ein Verständnis der Spezifika von Biodiversität als Managementthema: Für die Integration von Biodiversität in das Nachhaltigkeitsmanagement ist es entscheidend, dass Unternehmen besser verstehen, was der spezifische Aspekt Biodiversität in einer Materialitätsanalyse zusätzlich zu anderen Umweltaspekten bedeutet. Spezifisch auf Biodiversität abzielende Indikatoren können das unterstützen. 
  • Ein branchenübergreifender Indikatorenansatz sollte ein Zusammenspiel von:
    1. biodiversitätsspezifischen Indikatoren und
    2. deren strategischer Verknüpfung mit anderen Umwelt-/Sozialaspekten umfassen. 


    1. Der Fokus für neue oder bessere Indikatoren sollte vermutlich auf zweien der fünf Haupttreiber des weltweiten Biodiversitätsverlustes liegen: 
    - Zerstörung und Veränderungen von Habitaten durch Flächenverbrauch und die Art der Landnutzung, und zwar unmittelbar (eigene Flächen) und mittelbar (in Wertschöpfungskette zur Rohstoffproduktion) 
    - Nutzung natürlicher Ressourcen.
    - Für einige Branchen ist auch das Thema invasive Arten besonders relevant und bedarf gesonderter Aufmerksamkeit.

    2. Es gilt zusätzlich die strategischen Zusammenhänge (qualitativ und wo möglich auch quantitativ) zu anderen Umwelt- und übrigens auch Sozialaspekten zu verdeutlichen. 

  • Indikatoren sollten Einflussmöglichkeiten und Wesentlichkeit gleichermaßen adressieren: Sie sollten Unternehmen einen Anreiz geben, zum einen die Themen, die einem großen direkten Einfluss unterliegen („low-hanging fruits“), zum anderen jene Themen, die von hoher Wesentlichkeit bei geringem individuellen Einfluss sind, anzugehen.
  • Managementindikatoren für Biodiversität zielen nicht in erster Linie auf die Bestandserfassung von Arten ab. Biodiversitätsmanagement heißt nur in einigen Fällen, dass Unternehmen den Grad biologischer Vielfalt durch eigene Messung selbst erfassen und damit unmittelbar steuern und monitoren. In vielen Fällen heben Indikatoren bzw. dann die unternehmerischen Steuerungsmaßnahmen vielmehr auf relevante Einflussfaktoren für biologische Vielfalt ab, denen positive oder negative Wirkungen für die Biodiversität zugeschrieben werden.

An diesen Schlussfolgerungen setzt der Arbeitskreis weiter an.

 

 

Der Arbeitskreis "Managementindikatoren für Biodiversität" ist ein Beitrag zur Aktionsplattform von:

Vortrag Carolin Boßmeyer auf dem Dialogforum 2015 "Unternehmen Biologische Vielfalt 2020" am 26. März 2015

Bisherige Arbeitsschritte

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