Der aktuelle Newsletter von 'Biodiversity in Good Company' ist da!
Sondernewsletter COP 15 Berlin, Dezember 2022
Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Sonderausgabe unseres Newsletters erhalten Sie relevante Informationen zur UN-Biodiversitätskonferenz CBD COP 15, die gerade in Montreal zu Ende ging.

Lesen Sie in den folgenden Beiträgen über die Inhalte der Ergebnisse, die nach langwierigen Verhandlungen erzielt werden konnten, welche Themen im Rahmen der parallel laufenden Side Events wie dem Business Forum und dem Finance Day von den internationalen Teilnehmer*innen diskutiert wurden, welche Rolle der neue globale Biodiversitätsrahmen für die nationalen Prozesse in Deutschland spielen wird und vieles mehr.

Viele Themen, die international auf der Agenda standen, haben wir dieses Jahr auch im Rahmen des Projektes "Unternehmen Biologische Vielfalt - UBi" durch diverse Veranstaltungsformate aufgegriffen. Die dazugehörigen Video-Dokumentationen finden Sie ebenfalls in diesem Newsletter zum Jahresabschluss.

Last but not least: Die nationale Jahreskonferenz für Wirtschaftsakteur*innen rund um Biodiversität - das UBi-Dialogforum - findet am 6. Juni 2023 in Berlin statt. Merken Sie sich schon jetzt den Termin vor!

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und schöne Festtage!

Ihre 'Biodiversity in Good Company' Initiative 

Elizabeth Maruma Mrema, Exekutivsekretärin der der CBD, bei der Eröffnung der COP 15

Die COP 15 in Montreal

Vom 7. bis zum 19. Dezember 2022 fand in Montreal, Kanada, die 15. UN-Biodiversitätskonferenz (CBD COP 15) statt.

Die Vertragsstaaten des UN-Übereinkommens über die Biologische Vielfalt haben ein neues globales Rahmenwerk für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität bis 2030 vereinbart. Der Prozess der Verhandlungen fand dabei in einer mehrschichtigen Struktur über diverse thematische Gruppen statt.

Mittels 23 umfassender Ziele soll nun eine entschiedene Trendwende beim Verlust der Biodiversität eingeläutet werden. Besonders relevant für Unternehmen und Finanzinstitutionen sind das Ziel Nr. 10 (Nachhaltige Land- und Meeresnutzung), Ziel Nr. 14 (Mainstreaming von Biodiversität) sowie insbesondere Ziel Nr. 15 (Rolle der Wirtschaft). Die ausführliche verabschiedete Version des globalen Rahmenwerks finden Sie unter diesem Link. Eine Übersicht und Einordnung der Ergebnisse finden Sie im nachfolgenden Beitrag.

© UN Biodiversity

Die Eröffnung fand bereits am 6. Dezember unter Beteiligung wichtiger politischer Repräsentant*innen statt. Reden hielten unter anderem:

  • António Guterres, UN-Generalsekretär
  • Justin Trudeau, Premierminister von Kanada
  • Elizabeth Maruma Mrema, Exekutivsekretärin der CBD
Außerdem fand im Rahmen der UN-Konferenz wieder ein Business and Biodiversity Forum statt. Im Mittelpunkt standen unter anderem das Monitoring und Reporting von Unternehmen hinsichtlich der Risiken und Abhängigkeiten von biologischer Vielfalt, Berichterstattungsplichten sowie das wichtige Thema des Lieferketten-Managements.

Eines der Hauptthemen in Montreal war zudem die Rolle des Finanzsektors bei einer nachhaltigen Transformation der Wirtschaft. Finanzinstitute und Banken aus aller Welt trafen sich im Rahmen von zahlreichen Side Events, u.a. beim von der Stiftung Finance for Biodiversity organisierten Finance and Biodiversity Day und diskutierten über innovative Modelle, die eine grüne Finanzwelt mit nachhaltigen Investitionsfonds sowie Produkten fördern sollen.

Interessante Beispiele vom Business and Biodiversity Forum und dem Finance and Biodiversity Day haben wir in unseren Social-Media-Kanälen auf Twitter und LinkedIn dargestellt.

Die Pressemitteilung des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz zum neuen globalen Biodiversitäts-Rahmenwerk finden Sie hier.

Das Ergebnis: Ein neues globales Abkommen für die Biodiversität

Nach vier Jahren intensiver Vorbereitung, zahlreichen Vorverhandlungsrunden und über zwei Wochen zäher Verhandlungen in Montreal war es schließlich so weit: Die Vertragsstaaten haben sich auf ein globales Abkommen geeinigt. Die Delegierten der 196 Mitgliedsstaaten der UN-Biodiversitätskonvention verabschiedeten in der Nacht zum Montag das Kunming-Montreal Global biodiversity framework. Damit existiert ein neues globales Rahmenwerk mit 23 Zielen für den Schutz der Biodiversität.
© UN Biodiversity. Der chinesische Umweltminister und COP-Präsident Huang Runqiu.

© UN Biodiversity. Der chinesische Umweltminister und COP-Präsident Huang Runqiu.

Die neuen Ziele decken eine große Spanne an wichtigen Themen und Maßnahmen ab. Dazu zählen unter anderem das Ziel 30 % der degradierten Ökosysteme bis 2030 wiederherzustellen, Überdüngung um die Hälfte zu reduzieren sowie das prominente „30x30-Ziel“, in dem vereinbart wurde, 30 % der Landes- und Meeresfläche bis 2030 zu schützen.

Weitere Ergebnisse im Überblick: 

  • Identifizierung naturschädlicher Subventionen bis 2025 und Abbau dieser in Höhe von 500 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2030.
  • Naturschutz-Finanzierung für Länder des Globalen Südens in Höhe von mindestens 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2025 und mindestens 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2030.
  • Weitere Punkte: Reduzierung der Plastikverschmutzung, Reduzierung der schädlichen Wirkung von Pestiziden und Düngern um 50 Prozent, nachhaltigere Lebensmittelproduktion.

Für Unternehmen sind vor allem die Ziele 10, 14 und 15 relevant.

In Ziel 10 wurde beschlossen, dass land- und forstwirtschaftlich genutzte Landschaften sowie Fischereigebiete bis 2030 nachhaltig genutzt werden sollen.

Weiterhin haben sich die Staaten in Ziel 14 darauf geeinigt, dass Biodiversität sektorenübergreifend in alle Bereiche der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft integriert werden soll. Alle relevanten öffentlichen und privaten Finanzflüsse sollen mit den Zielen des neuen Rahmenwerks in Einklang gebracht werden. Ziel 14 kann damit auch kurz als Biodiversity-Mainstreaming-Ziel bezeichnet werden.

Besonders relevant für die Privatwirtschaft ist das Ziel 15, welches Unternehmen direkt adressiert. Das Ziel beinhaltet drei zentrale Punkte:

  1. Große und transnationale Unternehmen sowie Finanzinstitutionen sollen ihren Einfluss auf - und ihre Abhängigkeiten von - Biodiversität regelmäßig monitoren und offenlegen.
  2. Weiterhin sollen Unternehmen Konsument*innen relevante Informationen zur Verfügung stellen, um zu einem nachhaltigen Konsum beizutragen.
  3. Zuletzt soll zur Einhaltung von Zugriffs- und Ausgleichspflichten hinsichtlich genetischer Ressourcen berichtet werden, sofern auf das Unternehmen zutreffend. 

Eine besondere Diskussion bezüglich des Ziels 15 wurde in den Verhandlungen zur Frage geführt, ob das Reporting explizit verpflichtend gemacht werden soll. Diese Formulierung wurde am Ende nicht in die finale Formulierung des Ziels aufgenommen, obwohl sich eine breite Koalition aus der Privatwirtschaft unter der Kampagne #MakeItMandatory hierfür eingesetzt hatte, um ein level playing field für Unternehmen zu schaffen. An dieser Stelle ist die EU dem internationalen Rahmen durch die Entwicklung der EU-Taxonomie und der aktualisierten Nachhaltigkeitsberichtspflicht für Unternehmen jedoch schon einen Schritt voraus. Keine Einigung konnte zudem dabei erzielt werden, ein quantitatives Ziel zur Halbierung der Auswirkungen der Wirtschaft auf die Biodiversität zu beschließen. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die Wirtschaft ambitioniert vorangeht.

Fazit: Das Ziel Nr. 15 ist ein starkes Signal und nimmt die Wirtschaft klar in die Pflicht.

Die BiGCI bei der COP 15

Die BiGCI im Palais des Congrès in Montreal für die COP 15: Veronica Veneziano, Geschäftsführerin, und Adina Arth, Projekt Managerin.

Die BiGCI im Palais des Congrès in Montreal bei der COP 15: Veronica Veneziano, Geschäftsführerin, und Adina Arth, Projektmanagerin.

Die 'Biodiversity in Good Company' Initiative hat die Verhandlungen in Montreal begleitet, sich mit diversen Akteur*innen vernetzt, an zahlreichen Side Events teilgenommen und hierfür Praxisbeispiele aus verschiedenen Ländern und Branchen gesammelt. Insbesondere über die Themen Reporting und nachhaltige Finanzen wurde in ihren Social Media-Kanälen berichtet.
Auf der Agenda der BiGCI stand unter anderem das jährliche Meeting der Global Partnership for Business and Biodiversity, bei dem sich alte und neue Partner*innen nationaler und regionaler Business and Biodiversity Initiativen treffen und austauschen konnten.
Jahrestreffen der Global Partnership for Business and Biodiversity.

Jahrestreffen der Global Partnership for Business and Biodiversity.

Eva Zabey - Executive Director Business for Nature (© UN Biodiversity)

Business and Biodiversity Forum - Plenary (© UN Biodiversity)

Business and Biodiversity Forum - Plenary (© UN Biodiversity)

Das Business and Biodiversity Forum fand am 12. und 13. Dezember parallel zur COP 15 statt. Das Side Event legte einen expliziten Fokus auf das Handeln der Wirtschaft und zielte darauf ab, alle Stakeholder zur Implementierung des post 2020 Rahmenwerks zu motivieren und inspirierende, skalierbare Best Practices vorzustellen.

Intensiv diskutiert wurde die Rolle von Finanzinstitutionen beim Finance and Biodiversity Day am 14. Dezember, um Biodiversität als wichtiges Kriterium in Entscheidungsprozessen zukünftig mitzudenken und Finanzflüsse mit den globalen Biodiversitätszielen in Einklang zu bringen.

(© UN Biodiversity)

Ein wichtiger Ansatz des sehr gut besuchten Side Events waren zudem die Zusammenhänge und Synergien zwischen Biodiversität- und Klimaschutz als möglicher Weg zur Erreichung der 2030-Ziele und der 2050-Vision.
Entscheidend wird nun eine ambitionierte und entschlossene Übertragung des neuen Rahmenwerks auf die nationale Ebene sein. In Deutschland relevant ist insbesondere die Erarbeitung einer neuen Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, die den Umsetzungsmechanismus des Abkommens darstellt. Hierbei soll ein Plan mit spezifischen nationalen Zielen und Maßnahmen implementiert werden, der den internationalen Zielen entsprechen soll. Die 'Biodiversity in Good Company' Initiative ist bereits im Vorfeld der Weltnaturkonferenz in den Aktualisierungsprozess involviert gewesen (bspw. durch die Digitale Dialoge-Reihe von UBi) und wird sich hierzu weiterhin aktiv einbringen. 

Biodiversity Commitments - Ihre Chance sich einzubringen

Im Vorfeld der UN-Biodiversitätskonferenz wurde im Rahmen der CBD Action Agenda for People and Nature ein Prozess zur Sammlung von business commitments gestartet. Erste Vorreiterunternehmen haben bereits vor der COP 15 biodiversity commitments eingereicht. Mit dem Beschluss der neuen Naturschutzziele soll der Commitment-Prozess weiter in die Breite getragen werden. Jetzt geht es darum, wie Unternehmen zur Umsetzung des Kunming-Montreal Global biodiversity frameworks beitragen können.

Um gemeinsam mit weiteren Vorreiter*innen die Grundlagen des Wirtschaftens zu erhalten, können auch Sie sich einbringen. Jedes in Deutschland tätige Unternehmen und jede Wirtschaftsorganisation kann mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung einen positiven Akzent setzen und zeigen, dass sie zum Schutz der biologischen Vielfalt, zu einer zukunftsfähigen Wirtschaft sowie Weltgemeinschaft beitragen können.

Bionade, travel-to-nature, Audi, einhorn, DGNB und viele andere Stakeholder haben sich bereits engagiert.
Reichen auch Sie ein biodiversity commitment ein! Alle Informationen und das Online-Formular finden Sie auf der Webseite German Business for Biodiversity.

Bleiben Sie informiert!

Der Beschluss des Abkommens löste ein großes mediales Echo aus, unter anderem berichteten Tagesschau, Spiegel Online, The Guardian und viele weitere Medien. Weitere Artikel aus der nationalen und internationalen Presse finden Sie hier

Biodiversität ist die fundamentale Grundlage allen Wirtschaftens – direkt und indirekt. Immer mehr Unternehmen werden genau darum aktiv und integrieren Biodiversität in ihr Reporting, ihr Lieferkettenmanagement und ihre Unternehmensstragie.
Illustration: Julia Späth

Illustration: Julia Späth

Die 'Biodiversity in Good Company' Initiative hat sich fest vorgenommen, zur Umsetzung des neuen Abkommens beizutragen. Das Motto der 2021 verabschiedeten Vision 2030 lautet nämlich:
„Erfolgreiches Wirtschaften schützt und fördert Biodiversität. Wirtschaft und Naturschutz sind zwei Seiten der gleichen Medaille.“
Schließen Sie sich an, treten Sie mit uns in Kontakt und folgen Sie uns auch auf Twitter und LinkedIn!

UBi: Veranstaltungen 2022 und Save the date für 2023

Im Rahmen von "Unternehmen Biologische Vielfalt - UBi" fanden dieses Jahr verschiedene Veranstaltungen statt, deren Video-Dokumentationen Sie jetzt unter folgenden Verlinkungen ansehen können:


Das Dialogforum 2023 von UBi findet am 6. Juni 2023 in Berlin statt. Merken Sie sich den Termin für die nationale Jahreskonferenz zum Thema Wirtschaft und Biodiversität schon jetzt vor!

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